Sonntag, Juli 31, 2005

Der türkische Gemüsehändler von nebenan

In seinem immer wieder lesenswerten Tagebuch Die Achse des Guten verweist Michael Miersch am 27.7. auf einen bemerkenswerten Artikel im Wall Street Journal, den er wie folgt zusammenfasst:

Das Wall Street Journal hat am 12. Juli 2005 einen Report veröffentlicht, den ich gern mal in der Münchner Lokalpresse gelesen hätte. Darin wurde die Geschichte einer bekannten Moschee im Münchner Norden veröffentlich. Sie wurde vom Islamische Zentrum München errichtet, dass in den 50er Jahren gegründet und von einem usbekischen Nazi und SS-Freiwilligen geführt wurde. Später übernahm die Moslembruderschaft unter Leitung von Said Ramadan (der Vater des bekannten Tariq Ramadan) das Zentrum. Es diente jahrelang als eine Art Botschaft der Moslembruderschaft in Europa. In den 70er Jahren führte der in der Schweiz lebende Syrer Ghaleb Himmat, der als Al-Kaida-Finanzier gilt, die Gemeinde. Unter anderem ging Mahmoud Abouhalima dort ein und aus, der zur der Gruppe gehörte, die bereits 1993 versuchte das World Trade Center in die Luft zu sprengen.
Und ich dachte immer, dass dort der türkische Gemüsehändler von nebenan beten geht. Es ist schon irre, dass ich so etwas in einer amerikanischen Zeitung lesen muss und in München nie davon gehört oder gelesen habe (oder habe ich da was verpasst?).
Wenn aber im Hasenbergl drei Skinheads zusammensitzen, sind garantiert fünf Journalisten dabei, die mich am nächsten Tag darüber informieren und vor der schrecklichen Gefahr zu warnen („Der Schoß ist fruchtbar noch…“). Die Skinheads sollten sich Bärte wachsen lassen und in der Moschee treffen, dann bleiben sie unbehelligt von den wachsamen und couragierten Medienvertretern in der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung.
Darin entpuppt sich das Problem des Terrorismus, das man nicht mit ein paar zusätzlichen Orwell'schen Überwachungskameras und biometrischen Daten in Reisepässen lösen kann...

Der Westen, der reißende Fluss

In Form einer Suada, einer unentwegten Streitschrift, die zwei Bücher (Die Wut und der Stolz sowie Die Kraft der Vernunft) umfasst, prangert Oriana Fallaci, die Grande Dame der italienischen Gegenwartsliteratur, den europäischen Umgang mit der (spätestens) am 11. September 2001 evident gewordenen islamischen Gefahr an. In der Ausdrucksweise alles andere als zimperlich erzählt Fallaci von ihren persönlichen Erfahrungen in islamischen Staaten, legt dar, wieso gerade New York zu ihrem politischen Exil mutierte und warum sie für Palästinenser, die angesichts der einstürzenden Türme in Freudentaumel ausbrechen, nichts als Hass übrig hat - nicht minder verhasst sind ihr die europäischen sich unberechtigterweise den Amerikanern moralisch überlegen gerierenden "Geschieht-den-Amerikanern-nur-Recht"-Idioten, die jegliche Kritik an der anti-freiheitlichen, anti-westlichen, frauenfeindlichen, menschenverachtenden Ideologie namens Islam (ich schreibe ausdrücklich nicht: Islamismus) als "Rassismus" abqualifizieren, die zu dumm sind, um zwischen Rasse und Religion differenzieren zu können (nur kollektive Minderschätzung aufgrund ersterem kann Rassismus sein) und jegliche Vernunft gegen einen willkürlichen Werterelativismus ("alles ist relativ - nichts ist nur gut oder nur böse - man muss auch den Nährboden berücksichtigen - jeder Angriff erzeugt nur einen Gegenangriff") eingetauscht haben.

Ihr erzählerisches Repertoire beinhaltet unter anderem die Erschießung von Frauen, welche die Todsünde eines Friseurbesuches begangen hatten, die gelacht hatten (überhaupt der frevelhafteste Verstoß gegen den Koran), die ihre Ganzkörper-Bhurka kurz geöffnet hatten (vielleicht um ein Glas Wasser zu trinken?), die nachts alleine das Haus verließen oder Ehebruch begangen hatten (dem dabei involvierten Mann geschieht freilich nichts), weiters berichtet sie von dem altrömischen "panem et circenses" nachgebildeten öffentlichen Hinrichtungen sogenannter "Ungläubiger" in Fußballstadien, begleitet von kollektivem "Allah akbar"-Gegröhle ("Gott ist groß"), vergleicht die Errungenschaften der westlichen Zivilisation mit jenen des Islams und vermag hie und da ihren heiligen Zorn stilistisch wohltuend auszudrücken:
(... ) der Islam ist ein Teich. Und der Teich ist ein stehendes Gewässer. Voll mit Wasser, das nie abfließt, sich nie bewegt, sich nie reinigt, nie zu fließendem Wasser wird, das bis ins Meer strömt. In der Tat verunreinigt es leicht und taugt auch wenig als Tränke. Der Teich liebt das Leben nicht. Er liebt den Tod (...) Der Westen dagegen ist ein Fluss. Und Flüsse sind Wasserläufe. Wasser, das ständig weiterströmt und sich dabei reinigt, erneuert, noch mehr Wasser aufnimmt, ins Meer fließt, und Geduld, wenn es manchmal zu Überschwemmungen kommt. Geduld, wenn der Fluss manchmal vor Kraft über die Ufer tritt. Der Fluss liebt das Leben. (Die Kraft der Vernunft, S. 311)

Spricht hier Dr. Adolf Schärf-Heim?

Telefonanruf eines Unbekannten während meiner heutigen Fahrt nach Wien:
Hallo? Spricht hier Dr. Adolf Schärf? Wobei komisch, da steht irgendwie "Heim" daneben...
Auf meine Frage, wie er an meine Portable-Nummer gekommen sei:
Über die Wiener Zeitung, ich bin von Meinungsforschungsinsititut IMAS. Wir führen im Auftrag der Wiener Zeitung eine Leserumfrage durch. Sie sind ja Abbonent dieser Zeitung?
Auf mein Bejahen hin:
Sie lesen die Wiener Zeitung also?
Oh, ich bin durchaus ein Fan von rhetorischen Fragen. Nichtsdestotrotz willige ich in eine Befragung ein. Nach dem Festhalten meiner "soziodemographischen Daten", die mich als Studenten enthüllen, weicht seine monotone Ausdrucksweise einem jovialen Unterton, fließend ins "Du" übergehend.
Nach fünfzehn Minuten und dutzenden trifft-zu/trifft-weniger-zu/ja/nein/sehr/gering/gar/nicht/s offenbart sich der eigentliche Grund seines Anrufes:
Es ist so, dass die Wiener Zeitung an noch detaillierteren Informationen über die Bewertung ihres Angebots interessiert ist. Daher gäbe es die Möglichkeit an unserem X-Projekt (der Name ist mir entfallen) teilzunehmen, das im September über die Bühne gehen wird. Dabei erhalten sie x Wochen (ich denke, er sagte zwei) mehrere Tageszeitungen ein paar Tage nach dem Erscheinen zugeschickt, sollen unterstreichen (was weiß ich leider nicht mehr - ich denke, jene Informationen, die ich auch in der Wiener Zeitung gelesen habe oder eben nicht) und die unterstrichenen Exemplare mittels der mitgeschickten Kuverts an uns zurückschicken.
Angesichts der nicht gerade rauschfreien Hörqualität und dem kompliziert klingenden Prozedere geneigt abzusagen, meint er:
Dafür erhalten Sie (das Du ihm sogar selbst zu unförmlich?) natürlich ein Geschenk der Wiener Zeitung.
Und so willige ich ein und harre der Dinge (er verblieb neben Sonntagswünschen mit der Ankündigung eines Anrufes Ende August).

Zuguterletzt konnte auch noch geklärt werden, dass nicht mein Name, sondern die Adresse, Dr. Adolf Schärf-Heim lautet.

Donnerstag, Juli 28, 2005

Der Mythos "Finanzspekulation"

Den Mythos "gefährliche Finanzspekulation" als solchen zu entlarven, hat sich der von mir sehr geschätzte Professor für Volkswirtschaftslehre, Ökonometrie und Wirtschaftsgeschichte, Erich W. Streissler, in diesem gestern in der Wiener Zeitung erschienenen Artikel vorgenommen - angesichts permanenter ATTAC- und Antiglobalisierungs-Propaganda bzw. dem letzten Schüssel-Vorstoß für eine europäische ""Tobin-Steuer" ein hochaktuelles Thema.

Über gesetzliche Regulierungen:
Gewinnt man bei Finanzmarkttransaktionen, dann geht das bekanntlich immer auf die eigene hohe Fähigkeit zurück - und kaum je auf das Glück, das in Wahrheit immer mitspielt; verliert man hingegen, dann ist nie man selbst dumm oder gar schuld, sondern immer böse anonyme Kräfte. Man ruft nach dem Staat, der einen schützen soll und vergisst, dass gesetzliche Regulative zukünftige Gewinnchancen beschneiden und manchmal, wenn sie wirklich beachtet werden und nicht nur freundlich formulierte Unverbindlichkeiten sind, im internationalen Wettbewerb schwer schädigend wirken können.

Über den finanzspekulierenden Staat:

An allen großen Finanzspekulationen waren stets staatliche Instanzen, oft auch Notenbanken oder deren Chefs (z.B. neuerdings Alan Greenspan) aktiv beteiligt – wenn freilich keineswegs in privatnütziger Absicht. Am regelmäßig folgenden Zusammenbruch sind dann aber "selbstverständlich" immer nur die allzu gierigen privaten Anleger "schuld".

Besonders interessant ist Streisslers Verweis auf die Nobelpreisvorlesung von Robert Mundell im Jahr 2000, in welcher der Nobelpreisgewinner den Aufstieg Hitlers als wesentliche Folge einer verfehlten US-amerikanischen Geldpolitik, wodurch die deutschen protestantischen Bauern in den Ruin - und anschließend in Hitlers Arme - getrieben worden seien, bezeichnet.

Donnerstag, Juli 21, 2005

Warum braun rot abgelöst hat

Sozio-psychologisch interessant (inhaltlich traurig) gestaltet sich dieser Thread eines sehr einschlägigen Forums. Der Rechtsextremismus scheint den Linksextremismus als primäres politisches Ventil jugendlich-pubertärer Rebellion abgelöst zu haben. Das ist auch nur allzu verständlich. Der (besonders beim deutschen Nachbarn vorhandene) sogenannte "Gang durch die Institutionen" seitens vieler bekannter Linkssozialisten, die sich nicht selten in Nadelstreifanzügen (wenngleich präferiert ohne Krawatte) auf Regierungsbänken wiedergefunden haben, hat jene in den Augen der für diese Ideologie Zugänglichen wohl untragbar gemacht. Anscheinend übt es auch einen gewissen (sehr perversen, allenfalls dialektisch zu "erklärenden") Reiz aus, als National-Sozialist gleichzeitig (brauner) Sozialist zu sein und gegen den (roten) Sozialismus zu wettern.
Dass Nationalsozialismus und Sozialismus keine entgegengesetzten Weltbilder, sondern zwei Seiten der gleichen Medaille darstellen, kann selten so gut beobachtet werden wie im aktuellen deutschen Wahlkampf (Stichwort Lafontaine, Schutz vor "Fremdarbeitern" etc.). Siehe bezüglich dieses bereits mehrmals in meinem Blog thematisierten Themas auch hier und hier.

Bestandsaufnahme

Seit Anfang Juli verweile ich in der Provinz und verbringe die Vormittage als Rechtshörer am hiesigen Bezirksgericht (Freistadt), während ich mich derzeit am Rest des Tages der Lektüre von Leonard Peikoffs Objectivism - The Philosophie Of Ayn Rand sowie dem Studium des K/W (das Autorenkürzel steht für die privatrechtliche Bibel Österreichs) sowie Schranks Arbeitsrechtsbuch widme, wobei letzteres leider in weiten Zügen von dem Ansinnen inspiriert ist, einfache Begebenheiten möglichst kompliziert darzustellen und mich regelmäßig einschlafen lässt.

Sonntag, Juli 17, 2005

"Wir brauchen weniger Europa"

In einem Interview für den "Standard" artikuliert Finanzminister Grasser nun die Forderung nach "weniger Europa". Zehn Jahre nach Österreichs Beitritt konstatiert Grasser endlich eine falsche "Tendenz in Richtung bundesstaatlicher Struktur und europäischer Zentralregierung". Sein Vorschlag der Renationalisierung bestimmter Bereiche ist jedoch in sich unschlüssig; so sieht er in der europäischen zentralen Geldpolitik einen großen Fortschritt. Tatsächlich stellt die Einführung des Euros die größte volkswirtschaftliche Katastrophe seit dem Börsencrash 1929 dar - nicht zufällig gestalten sich die ökonomischen Eckdaten von Nicht-Euro-Ländern (va Schweiz und Großbritannien) eindeutig besser. Drohende Mahner hat es freilich gegeben, doch können volkswirtschaftlich-logische Einwände gegen ein politisch gewolltes Projekt wenig ausmachen. So wurde z.B. der Monetarist Milton Friedman nicht müde, auf den historischen Fehler namens Euro hinzuweisen; eine einheitliche Währungspolitik der Europäischen Zentralbank kann logischerweise nicht auf die spezifischen ökonomischen Verhältnisse der einzelnen zwölf Euro-Länder eingehen.
Ich bezweifele, dass er ein dauerhafter Erfolg wird, denn die Mitgliedsländer können kaum auf wirtschaftliche Störungen reagieren.
Während - nach Maßgabe des Monetarismus - beispielsweise Irland im Moment eine strikte Währungspolitik benötigt, braucht Italien eine flexible. Die EZB kann jedoch nicht gleichzeitig Zinsen senken und anheben. Der Wirtschaftsnobelpreisträger schlussfolgert:
Für mich ist der Euro ein Experiment für die nächsten 10 bis 15 Jahre.

Neuerungen

Ich darf nicht ohne Stolz darauf hinweisen, dass mit dem heutigen Tage auch eine Link-Liste, deren Implementierung sich nicht ganz einfach gestaltete, da das von mir verwendete "Template" keine solche aufwies und ich folglich eine manuelle Programmierung vornehmen musste, diesen Blog zu rechter Hand ziert. Ebenso erschien mir eine Änderung des Blog-Titels angesichts der hauptsächlichen inhaltlichen Ausrichtung passend.

Samstag, Juli 16, 2005

Goldene Mauer des Schweigens

Angeregt durch ein Gespräch mit einem Freund möchte ich ein paar Zeilen über ein Thema schreiben, dem im sozio-konversationellen Gebiet durchaus große Bedeutung zukommt: Sprechpausen. Damit meine ich abrupt im Laufe einer zwischenmenschlichen Unterhaltung auftretende Phasen des Schweigens, die gemeinhin als peinlich und unbequem empfunden und durch bestimmte Tätigkeiten gleichsam zu kompensieren versucht werden, von denen das Betrachten der Fingernägeln sowie des Handtelefons am beliebtesten sein dürften. Überschreiten besagte Pausen ein bestimmtes temporäres Toleranzmaß, bestehen im Grunde zwei Möglichkeiten. Entweder wird das Schweigen durch eine sinnlos belanglose Aussage gebrochen und somit eine reguläre Wiederaufnahme der Konversation eingeleitet oder einer der beiden Gesprächspartner geht in die Offensive über und leistet sich einen Fauxpas, indem er das Schweigen thematisiert, das Tabu offen anspricht: "Wir beide haben anscheinend nicht viel Gesprächsstoff" oder "Na, du bist aber heute wieder gesprächig" oder (ein verzweifeltes) "Sag was!".

Worin wurzelt dieses allgemeine Unbehagen, begleitet von Nervositätserscheinungen, angesichts von Gesprächspausen? Wohl mag ein Grund dafür in der Konfrontation mit der neuen, durch das Schweigen geschaffenen, Situation liegen, die den Augenkontakt mit dem Gegenüber nun nicht mehr tunlich erscheinen lässt - deswegen das plötzlich neu aufflammende Interesse an den eigenen Fingernägeln. Doch dürfte darin nicht die alleinige Intention zur Verhinderung von Gesprächspausen liegen. Neben besagten Nervositätserscheinungen reagieren die meisten Menschen auch peinlich berührt; die Situation erfordert also nicht nur die Suche nach einem an des Gesprächspartners statt zu fokussierenden Gegenstand, sondern wird auch als peinlich angesehen. Dafür besteht jedoch keine Veranlassung.

Gesprächspausen sind wichtig und richtig, haben ihre volle Berechtigung, können gar die Unterhaltung bestärkend, intensivierend wirken, wobei letzteres nicht in einem dialektischen Sprechen - besser: Mitteilen - im Schweigen durch Schweigen, sondern als gemeinsame Bestärkung des Seins, als identitäts-, gemeinschafts- und friedenstiftend zu verstehen ist.
"Durch das Reden kommen die Leute zusammen" behauptet der Volksmund und negiert damit eine andere Binsenwahrheit, die Geltung zu beanspruchen ebenfalls in der Lage ist: "Die Sprache ist die Ursache aller Missverständnisse" (und Verwürfnisse). Generell wage ich eine ambivalente Haltung unseres Kulturkreises dem Schweigen gegenüber, das zwar im Vergleich mit dem silbernen Reden gold verspricht, aber andererseits als "Mauer des Schweigens" durchbrochen werden muss, zu konstatieren. Die Abneigung dem Schweigen gegenüber ist im Bereich der Konversation in jedem Fall fehl am Platz, genauso wie die diversen angesprochenen Maßnahmen des Kaschierens der Stille. In diesem Sinne: Mut zur Gesprächspause!

Donnerstag, Juli 14, 2005

Was ist Wurst?

Der Kapitalismus, der Kommunismus und der Sozialismus haben sich im Park verabredet. Die ersten beiden sitzen schon eine Weile auf der Parkbank, da kommt auch endlich der Sozialismus zu ihnen. “Entschuldigt bitte die Verspätung”, sagt er, “ich wollte noch Wurst kaufen und die Schlange war so lang.” - Darauf der Kapitalismus: “Was ist eine Schlange?” und der Kommunismus: “Was ist Wurst?” (Quelle)

Dienstag, Juli 12, 2005

We are not afraid

Samstag, Juli 09, 2005

Das konstruktivistisch-kreationistische Credo des Katholizismus

In einem aufsehenerregenden Gastkommentar (siehe auch die ORF-Meldung) in der rennomierten "New York Times" artikuliert Kardinal Schönborn die neue Position der katholischen Kirche zur Evolution. Neu ist daran allenfalls die Vehemenz, mit der die Evolutionstheorie als mit dem katholischen Glauben unvereinbar dargestellt wird. Die Bestärkung des Kreationismus fügt sich hervorragend in das konstruktivistische Weltbild des Katholizismus.

Evolution im Sinne einer gemeinsamen Herkunft, mag richtig sein, aber Evolution im neodarwinistischen Sinn eines ungelenkten und ungeplanten Prozesses von Variation und natürlicher Selektion - ist es nicht.

Die Vorstellung, dass ein übernatürliches Geschöpf Universum wie Gesellschaft "designt" hat, ist - um mit von Hayek zu sprechen - "tatsächlich eine Verkehrung des Prinzips, auf dem die Entwicklung der Zivilisation beruht". Der von Hayek vertretenen Theorie der kulturellen Evolution zufolge ist der Entwicklungsprozess unserer Zivilisation zwar ein (unintendiertes) Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht menschlicher (und schon gar nicht übermenschlicher!) Vernunft (dieses Konzept bezeichnet er als "Kosmos" oder auch "Spontane Ordnung").

Der Schönborn-Vorstoß wird dennoch nicht allzu viel Unheil anrichten. Die absolute Mehrheit der Naturwissenschaftler bezeichnet den Kreationismus als widerlegte Hypothese, für deren Richtigkeit es keine Hinweise gibt. Die Evolutionstheorie dagegen ist aufgrund seiner immensen Anzahl von empirisch-deduktiv belegten Hypothesen in viele etablierte Theorien widerspruchsfrei zu integrieren.

Freitag, Juli 08, 2005

Der blanke Hass und die Gier nach dem Nichts

Anlässlich der Terroranschläge des Neunten Septembers hat ein gewisser Dr. John Lewis in einem lesenswerten auf dem individualistischen Naturrecht und der objektivistischen Ethik basierenden Artikel für das "Capitalism Magazine" versucht, die Gründe für den Wahnsinn zu erörtern. Seine Feststellungen und Schlussfolgerungen dürfen nach den gestrigen Anschlägen in London weiterhin Geltung beanspruchen.

Er stellt fest...
At root, their desire for religious rapture in a paradise attained by mass destruction is a desire to lose the most important value of all, their own lives. Their hatred of the West is not based on jealousy but on hatred of the good because it is good. Their claim that Western culture is evil is based on their view that freedom, productiveness, achievement, reason and happiness are evil. What they want instead is the nothing, das Nichts, that is death. This is why they fly with gay abandon into the inferno-to attain a zero, for their victims and themselves.
Of course they recognize, on some level, that the material products of the West are good, since they use the products of freedom in order to destroy the products of freedom. But this shows only that they use these products-they do not value them, and they do not value those who produce them. They much prefer nothing.
...und schlussfolgert:
So what do we do about this? Intellectually what we must do is state an idea: that western civilization is moral because it is good. We have a right to exist, and a right to defend ourselves. The purpose and motive of western civilization is life, the exact opposite of the death-worship seen in nihilists of all stripes. Ours is the morality of life and theirs the morality of death. (...) To straighten out the political and intellectual mess we face today we must re-affirm our commitment to reason and freedom, and their purpose, life, by protecting ourselves from killers, foreign and domestic, physical and intellectual. And we must do it because we are good.

Mittwoch, Juli 06, 2005

Hoffnungslos dumm

Narzist, Serbenfreund, Balkanfaschist: diesen oder ähnlichen Attributen begegnet man seit gut zehn Jahren - nachdem Handke 1996 "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" geschrieben hat - im Zusammenhang mit jedem Artikel über den österreichischen Autor. In einem durch Abart höheren Grades motivierten Anfall fabuliert heute Hans Rauscher, seines Zeichens Aushängeschild des "Standards", von der Notwendigkeit der Verurteilung Handkes nach einem "serbischen Verbotsgesetz":
Wenn Handke die serbischen Verbrechen leugnet und/oder verharmlost, und zwar in serbischen Medien, müsste er nach einem serbischen Verbotsgesetz belangt werden, wenn es eines (und die entsprechende Geisteshaltung) gäbe.

Das Problem besteht darin, dass sämtliche Kritiker keinen einzigen jener Texte gelesen haben, welche sie dann wortgewaltig kritisieren. Peter Handke ist laut eigener Bekundung niemand, der Recht haben, sondern Fragen aufwerfen will. Und so bestehen seine Jugoslawien-Texte auch auschließlich aus Fragen, kulminierend in der Hauptfrage: Kann es für einen religiös und ethnisch motivierten Konflikt eine monokausale Schuldzuweisung geben? Ist es wirklich richtig, dass die Serben - völlig ungeachtet der Tatsache, dass es in ihren Reihen natürlich Personen gibt, die große Schuld auf sich geladen haben - das Volk der Untermenschen und Nationalisten sind?
Die mediale Oppositionshaltung gegenüber Handke liegt freilich noch mehr in dessen Medienschelte begründet, die ihre Berechtigung besitzt. Der Balkankonflikt, der enorme komplexe Strukturen aufweist und sich nur in tiefer Auseinandersetzung mit der Historie dieses Erdteils erschließt, eignet sich nicht für die heutige Fast-food-Informationsgeisteshaltung. Eindeutige Schuldzuweisungen sind gefragt, die uns nach Abdrehen der Zeit im Bild2 beruhigt ins Bett gehen lassen mit dem Wissen, dass die Serben schuld sind. Und zwar einzig und allein. Dafür ist uns keine Theorie zu absurd. Der damalige Verteidigungsminister der BRD, Rudolf Scharping, über Nacht - wie seine ganze Partei und mit ihr der Koalitionspartner - von Friedensengeln zu Kriegspropagandisten mutiert, sprach von Serben, die mit Vorliebe albanische Föten grillen (sic!) würden. Diese und andere Kriegslügen entlarvt Jürgen Elsässer in seinem wichtigen Buch Kriegslügen. Vom Kosovokonflikt zum Milosevic-Prozess.

Fangen Sie gar nicht erst damit an!

Der oberösterreichische Zivilschutzverband, der sich das ungemein sinnige gesetzliche Verbot von Alkopops als Erfolg auf die Fahnen schreibt, sieht nun ein weiteres Gebiet, auf dem die Jugend vor sich selbst geschützt werden muss: "happy hours", in denen alkoholische Getränke zu ermäßigten Preisen ausgeschenkt werden, würden Jugendliche zum "Kampftrinken" animieren und seien daher zu verbieten. Ehrlicher als dieses Stückwerk wäre ein vollständiges Alkoholverbot für Jugendliche, das unsere Beschützer in Brüssel freilich auch schon längst angedacht haben. So meint der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz Markos Kyprianou:
Die Altersgrenze von 16 Jahren ist zu niedrig.
Der Einwand des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Brauer-Bundes, Peter Hahn, wonach ein Alkoholverbot für 16- bis 18-jährige den Konsum sogar attraktiver machen würde (no na!), wird wohl als interessenindizierte Schutzbehauptung abqualifiziert werden. Übrigens: Wo bleiben die Warnhinweise auf Bierflaschen à la "Achtung: Bier macht dumm. Fangen Sie gar nicht erst damit an! Ihr EU-Kommissar für Verbraucherschutz und Volksgesundheit."?

Samstag, Juli 02, 2005

Schick und fies

Dass ich mich noch nie derart auf den Beginn einer Prüfung gefreut habe wie gestern, hängt auch mit der vorangehenden dreistündigen Wartezeit zusammen, in der Dr. Kert ganze drei Kollegen geprüft hat. Aber ich will mich nicht beklagen - den ersten Studienabschnitt mit einem "sehr gut" abschließen zu können, ist äußerst: schick. Und die Arbeitsrecht-Bücher in der Schreibtischecke lachen mich bereits ganz fies an.

Freitag, Juli 01, 2005

Noch einmal

Noch einmal das Fuchs-Buch durchgeblättert, kursorisch den Kienapfel beigezogen und die Nichtigkeitsgründe wiederholt. Auch auf die Gefahr gesteinigt zu werden: Noch nie habe ich mich derart auf eine Prüfung gefreut. Auf dass die Freude die Prüfung überdauern wird.